Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und wurde 2014 erstmals in der Schweiz nachgewiesen. Seither hat sie sich in mehreren grossen Seen etabliert. Einmal angesiedelt, kann diese Muschelart Gewässerökosysteme nachhaltig verändern. Aufgrund ihrer rasanten Ausbreitung und der hohen Filtrationsleistung entziehen die Muscheln dem Wasser grosse Mengen an Plankton (im Wasser schwebende pflanzliche und tierische Kleinstlebewesen), was die Nahrungsnetze verändern und die Artenzusammensetzung verschieben kann. Auch die Nährstoffdynamik in Seen kann durch die Art beeinflusst werden.
Neben ökologischen Auswirkungen verursacht die Quaggamuschel erhebliche technische Herausforderungen und wirtschaftliche Schäden. Im Rhein unterhalb des Bodensees behindern die Muschelschalen beispielsweise bereits die Schifffahrt. Die mikroskopisch kleinen Larven verbreiten sich leicht über den Seeausfluss flussabwärts und können sich sehr schnell in neuen Gewässerbereichen etablieren. Sobald sich die Muscheln angesiedelt haben, wachsen sie rasch und bilden dichte Kolonien, die sich in wasserführenden Systemen festsetzen. Dies führt zu Bewuchs und Verstopfungen in Infrastrukturen wie Trinkwasserfassungen, Kühl- und Heizsystemen oder Kraftwerksanlagen und damit zu erhöhten Wartungs- und Unterhaltskosten.
eDNA-Analysen als Überwachungsinstrument
Die eDNA-Methode (environmental DNA, auchUmwelt-DNA genannt) ermöglicht den Nachweis von Arten anhand von DNA-Spuren im Wasser. Alle Organismen hinterlassen kontinuierlich DNA-Fragmente, zum Beispiel über Hautzellen, Ausscheidungen oder Larven. Diese Fragmente werden im Rahmen der Analysen aus Wasserproben filtriert, extrahiert und artspezifisch bestimmt. Ein Nachweis von DNA bedeutet daher nicht zwingend, dass sich die Art bereits etabliert hat, aber dass Spuren gefunden wurden.
Für die Überwachung invasiver Arten bietet die eDNA-Methodik grosse Vorteile. Die Probenahme ist einfach, standardisierbar, umweltschonend und im Vergleich zu physischen Suchmethoden viel kostengünstiger. Die Methodik eignet sich besonders für regelmässige Kontrollen (Monitorings), auch bei niedrigen Bestandsdichten oder in frühen Ausbreitungsphasen. Eine frühzeitige Erkennung ist für wirksame Eindämmungs- und Schutzmassnahmen zentral.
Zu berücksichtigen ist, dass aus eDNA-Befunden Aussagen zur Populationsgrösse oder Biomasse kaum möglich sind. Ausserdem ist ein negativer Nachweis nicht automatisch gleichbedeutend mit der Absenz der Art. DNA-Spuren können räumlich ungleich verteilt oder unterhalb der Nachweisgrenze liegen, sodass ein Vorkommen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Ein Übersehen einer vorhandenen Art, ist aber auch bei jeder anderen Methodik möglich.
Ein Grossteil der Gewässerproben wurde im Labor der Wasserversorgung Zürich filtriert, analysiert und ausgewertet. Die Resultate dieser Proben aus den Kantonen Schwyz, Uri und Obwalden bestätigen wie bereits in den Vorjahren das Vorkommen der Quaggamschel im Vierwaldstättersee. Trotz des bestätigten Vorkommens blieben einzelne Proben ohne eDNA-Nachweis.

In den Seen des Kantons Luzern und versuchsweise im Kanton Obwalden wurde zusammen mit der ETH Zürich eine andere eDNA-Methodik getestet. Dabei wurden Grossvolumenfilter eingesetzt, wodurch grössere Wassermengen für eine besonders sensitive Detektion analysiert werden konnten. Im Rotsee wurden damit eine von zwei Proben positiv getestet. Da dieser via Reuss und den Reuss-Rotsee Kanal mit Wasser aus dem Vierwaldstättersee gespiesen wird, musste eine Ausbreitung in den Rotsee früher oder später befürchtet werden. Sicherheit wird erst der Nachweis ausgewachsenen Quaggamuscheln bringen.
Prävention und Schutzmassnahmen bleiben zentral
Weiterhin sind präventive Massnahmen von grosser Bedeutung zum Schutz der bislang nicht betroffenen Gewässer. Je länger die schädigenden Auswirkungen auf Ökologie und Infrastrukturen verzögert werden können, desto weniger Kosten entstehen für Betroffene und die Gesellschaft. Die seit 2024 geltende Schiffsmelde- und -reinigungspflicht (SMRP) stellt ein wesentliches Instrument zur Eindämmung der Verschleppung von Quaggamuscheln, wie auch von anderen gebietsfremden Arten, dar.
Neben den Schiffshaltenden tragen auch andere Freizeitnutzende im und am Wasser Verantwortung, um eine weitere Ausbreitung invasiver Arten wie der Quaggamuschel zu verhindern. Ausrüstungen zum Fischen, Stand-up-Paddeln, Tauchen sowie Kanus, Schlauchboote oder anderen Wassergeräten müssen vor dem Wechsel in ein anderes Gewässer gründlich gereinigt, vollständig entleert und getrocknet werden. Weitere Infos dazu gibt’s auf umwelt-zentralschweiz.ch.

Untersuchungen 2026 durch die Eawag-Quagga-Fachstelle
Um die Ausbreitung der Muscheln im See genauer zu verstehen und die langfristigen Folgen fürs Ökosystem abzuschätzen, untersucht die Fachstelle betroffene Seen regelmässig. Ausgewählte Seen sollen detaillierter überwacht werden, indem an verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Tiefen Proben genommen werden. Dieses Jahr im April wurde unter anderem der Vierwaldstättersee zum ersten Mal systematisch nach Muscheln abgesucht. Im Urnersee, Gersauerbecken, Vitznauerbecken, Küssnachtersee, Horwerbucht, und im Alpnachersee wurden Transekte angefahren und mittels Fotoaufnahmen vom Seeboden (Benthic Imaging System BIS) und Sedimentproben nach Muscheln gesucht.
Die Sedimentproben, mit den darauf wachsenden Muscheln, und das Fotomaterial sollen helfen, die Quaggamuscheldichten in den verschiedenen Teilbecken und Tiefen abzuschätzen. Die ersten Resultate werden für Ende des Jahres erwartet. Genauere Details und Bilder zur Untersuchung mit dem Sedimentgreifer und dem Fotosystem (BIS) sind hier zu finden: Entwicklung eines Quaggamuschel Monitoringkonzepts und Unterstützung von Präventions- und Schutzmassnahmen.
Weitere Infos zur Eawag-Quagga-Fachstelle hier: Quaggamuschel
