Im Urnersee entsteht neuer Lebensraum aus Tunnelgestein

See & Ufer

25. September 2026

4.9 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial, rund 7 Hektaren neue Flachwasserzonen und eine ausgeklügelte Logistik auf Wasser und Land: Mit der Seeschüttung Urnersee wird das Reussdelta bis 2030 ökologisch aufgewertet und die Erfolgsgeschichte der ersten Seeschüttung fortgesetzt.

Am Südufer des Urnersees wird aktuell wieder geschüttet. Bis 2030 entstehen in den Gebieten Schanz und Allmeini rund 7 Hektaren neue Flachwasserzonen. Ziel ist es, die einst deutlich grösseren Flachwasserbereiche des Reussdeltas wiederherzustellen und damit die Artenvielfalt zu fördern.

Durch die Begradigung der Reuss ab 1851 und den Kiesabbau an der Reussmündung ab 1905 gingen grosse Teile dieser natürlichen Lebensräume verloren.

Drei Wege führen zum See

Die aktuelle Seeschüttung ist seit 2024 in Gang. Das Material für die neuen Flachwasserzonen fällt derzeit praktisch vor der Haustür an: Rund 3.5 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial stammen aus dem Bau der zweiten Gotthard-Strassentunnelröhre, weitere rund 1.4 Millionen Tonnen aus der Neuen Axenstrasse. Das geeignete Gestein wird damit direkt in der Region für die ökologische Aufwertung des Reussdeltas genutzt. Drei unterschiedliche Transportwege führen das Material zum See:

  • Das Gotthardmaterial gelangt per Güterzug zum Industriehafen Flüelen und wird dort auf Klappschiffe verladen.
  • Material aus dem Ausfahrtstunnel Gumpisch sowie aus dem südlichen Teil des Neuen Sisikoner Tunnels wird mit Lastwagen zum Rudenzhafen transportiert.
  • Aus dem nördlichen Teil des Sisikoner Tunnels bringen Förderbänder das Material direkt zur Schiffsverladestelle Dorni in Sisikon.

Seit Ende September 2026 läuft diese Logistik erstmals über alle drei Verladestellen gleichzeitig. «Damit hat die Seeschüttung ihre intensivste Phase erreicht», sagt Roland Senn. Täglich werden gut 12’000 Tonnen Gestein mit Klappschiffen zu den Schüttgebieten Schanz und Allmeini transportiert und dort verklappt. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Sommer 2030.

Gestein und Seewasser werden regelmässig kontrolliert

Wo täglich solche Materialmengen in den Urnersee gelangen, hat der Umweltschutz einen entsprechend hohen Stellenwert. Gleichzeitig bringt das Schütten von Tunnelausbruch Herausforderungen mit sich. Dazu gehören beispielsweise geogenes, also natürlich vorkommendes Arsen in einzelnen Gesteinsschichten oder Zündschläuche aus dem Sprengvortrieb, die trotz Aufbereitung ins Schüttmaterial gelangen können.

Im Zentrum steht der Gewässerschutz: Seewasser und Trübung werden regelmässig kontrolliert, das Material visuell geprüft und stichprobenweise chemisch analysiert. Erfüllt das angelieferte Gestein die festgelegten Qualitätsanforderungen nicht, kann es zurückgewiesen werden.

Schwemmgutsperren halten unter anderem Zündschläuche zurück. Zusätzlich werden die Ufer von angeschwemmtem Material regelmässig gereinigt. Ziel aller Massnahmen ist es, die Auswirkungen der Bauarbeiten auf den Urnersee möglichst gering zu halten.

Anknüpfen an Erfolgsgeschichte

Dass sich mit Tunnelausbruch wertvolle Lebensräume schaffen lassen, zeigte die erste Seeschüttung im Urnersee von 2001 bis 2008. Die damals geschaffenen Flachwasserzonen und Inselgruppen haben sich zu vielfältigen Lebensräumen entwickelt. Langzeituntersuchungen bestätigen, dass die ökologischen Ziele erreicht wurden. «Diese Erfolgsgeschichte wollen wir mit der aktuellen Seeschüttung fortschreiben», sagt Roland Senn.

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