Befischungen: Schlussbericht zeigt Zustand der Fischarten auf

Tiere & Pflanzen

In den schweizerischen Voralpenseen leben überdurchschnittlich viele Fischarten. Um sie und ihren Lebensraum schützen zu können, muss ihr Zustand bekannt sein. Ein Bericht fasst die Resultate von standardisierten Befischungen in den vergangenen 13 Jahren im Vierwaldstättersee und Alpnachersee zusammen.

Seltene, durch den Menschen beeinträchtigte Fischarten müssen gemäss Bundesgesetz geschützt und ihr Lebensraum nach Möglichkeit verbessert werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn ihr Zustand bekannt ist. Mittels standardisierter Befischungen des Vierwaldstättersees (2014), des Alpnachersees (2018) und deren Wiederholung im Jahr 2025 wurde dieses notwendige Wissen erworben.

Ziel der Untersuchung war es, Veränderungen in der Fischgemeinschaft und ihrer Lebensraumnutzung zu dokumentieren und zu verstehen. Zudem sollten Unterschiede zwischen den beiden Seen und im Vergleich zu anderen Schweizer Seen herausgearbeitet werden. Die aktuellen Befischungen bauen auf dem (abgeschlossenen) Forschungsprojekt Projet Lac der Eawag auf.

Stabile Fischgemeinschaft im Vierwaldstättersee

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die beiden Seeteile unterschiedlich entwickelt haben. Der Vierwaldstättersee weist eine stabile Fischgemeinschaft auf und gilt nach wie vor als typischer Felchensee. Das Gesamtgewicht (die Gesamtbiomasse) der Fische hat seit 2014 zugenommen, insbesondere im Freiwasser (Pelagial). Die Anzahl der Individuen ist hingegen weitgehend stabil geblieben.

Gleichzeitig sind Veränderungen bei den einzelnen Arten erkennbar: Wärmeliebende Arten nehmen vor allem im Freiwasser zu, während tiefenlebende Arten wie Seesaiblinge und Trüschen zurückgehen. Diese Entwicklungen stehen vermutlich im Zusammenhang mit der fortschreitenden Erwärmung des Sees sowie lokalen Sauerstoffdefiziten in grossen Tiefen.

Bodennetzeinzug im Vierwaldstättersee. Bild: Aquabios

Verschlechterung des Fischbestands im Alpnachersee

Demgegenüber zeigt der Alpnachersee eine deutliche Verschlechterung des Fischbestands zwischen 2018 und 2025. Sowohl die Fischdichte als auch die Biomasse haben signifikant abgenommen, insbesondere im Pelagial. Betroffen sind vor allem Felchen, Flussbarsche und Lauben, während Arten wie Kaulbarsche relativ an Bedeutung gewonnen haben.

Diese Verschiebungen führen dazu, dass sich das Gewässer in Richtung eines Rotaugensees entwickelt.

Die Analyse der fangbaren Bestände zeigt zusätzlich, dass sich die Situation für die Fischerei unterschiedlich entwickelt hat. Während sich der Vierwaldstättersee bei den fangbaren Felchen verbessert hat, hat sich die Situation im Alpnachersee stark verschlechtert. Für den Flussbarsch hat der Anteil fangbarer Individuen in beiden Seen zugenommen, wobei grössere Exemplare vor allem in bodennahen und ufernahen Zonen vorkommen.

Sinkende Gesamtfänge durch geringeren Fischereiaufwand

Die Fangstatistiken der Berufsfischerei zeigen in beiden Seen langfristig rückläufige Gesamtfänge. Diese Entwicklung wird allerdings vom nachlassenden Fischereiaufwand beeinflusst. Kurz: Es wird weniger gefischt. Berücksichtigt man diesen Aufwand (sogenannter CPUE-Wert), deutet im Vierwaldstättersee vieles darauf hin, dass die Bestände von Felchen und Forellen stabil oder leicht zunehmend sind.

Im Alpnachersee hingegen zeigt dieser Wert eine Abnahme bei den Felchen, was auf einen tatsächlichen Rückgang des Bestands hindeutet.

Vertikalnetzauslage im Vierwaldstättersee. Bild: Aquabios

Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen sind unklar

Fazit: Insgesamt kann der Zustand des Fischbestands im Vierwaldstättersee als relativ stabil und wenig beeinträchtigt beurteilt werden, während der Alpnachersee derzeit eine deutlich stärkere Beeinträchtigung aufweist.

Die Ursachen für die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Seen sind unklar. Sie könnten mit gewässerkundlichen (limnologischen) Unterschieden und der Form der Seen zusammenhängen. Auch der Klimawandel, die fortschreitende Erwärmung der Gewässer, veränderte Nährstoffverhältnisse sowie die Invasion der Quaggamuschel sind zentrale Faktoren, welche die Zukunft der Fische massgeblich prägen werden.

Vor diesem Hintergrund sind eine kontinuierliche Überwachung der Bestände sowie gezielte Massnahmen zur Verbesserung der Lebensräume und zur Reduktion von Belastungen von zentraler Bedeutung.

Weitere Informationen

Projektseite Projet Lac

Newsbeitrag: Standardisierte Befischung des Vierwaldsättersees (22. 9. 2025)

Eine Felche im Netz. Bild: Kuno von Wattenwyl