Teresa Venegoni

Revitalisierungen am Alpnachersee

See & Ufer

14. Oktober 2025

Am Vierwaldstättersee hat sich in Bezug auf Revitalisierungen in den letzten Jahren einiges getan. Insbesondere im Alpnachersee wurden viele ökologische Verbesserungen erzielt und weitere Massnahmen sind in Arbeit.

Im Jahr 2022 wurden in den Kantonen der Schweiz die ersten Revitalisierungsplanungen für die Seeufer der Schweizer Seen verabschiedet. Damit sind die Kantone dem im Gewässerschutz festgelegten gesetzlichen Auftrag nachgekommen, die Revitalisierung von Gewässern zu planen und einen ersten Zeitplan dafür festzulegen.

Am Vierwaldstättersee befinden sich zwei Drittel der gut 150 Kilometer Uferlänge in einem wenig beeinträchtigten bis naturnahen Zustand. Der restlichen 50 Kilometer werden als stark beeinträchtigt, naturfremd oder künstlich eingestuft.

Nicht alle ökologisch beeinträchtigten Ufer können wieder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden. Ein beträchtlicher Teil der Ufer des Vierwaldstättersees ist stark genutzt, und Häuser sowie Infrastrukturanlagen reichen teilweise bis fast zur Wasserlinie. Revitalisierungen bei stark genutzten Uferabschnitten in dicht besiedelten Räumen sind daher trotz hohem ökologischem Potenzial weder realistisch noch gesellschaftlich erwünscht. Es gibt aber auch viele Uferabschnitte, die mit geringerem Aufwand wieder naturnah gestaltet werden können und deshalb in der Revitalisierungsplanung priorisiert sind. Am Vierwaldstättersee sind in den nächsten 20 Jahren auf 15 Kilometern Uferstrecke Revitalisierungen vorgesehen.

Rund um den Alpnachersee läuft derzeit viel im Bereich Revitalisierung. Schon im letzten Newsletter haben wir den erfolgreichen Abschluss der Aufwertung der Mündungsbucht am Südufer – kurz ASA – vorgestellt. Dort wurden mithilfe von Material aus dem Hochwasserschutzstollen in Obwalden sowie aus der Ritom-Baustelle im Tessin Flachwasserzonen wiederhergestellt und eine Flachmoorfläche geschaffen. Für diese Aufwertung erhielt der Kanton Obwalden vom Verein für Ingenieurbiologie den Gewässerpreis.

Geschüttete Flachmoorfläche, 2025
Südufer Alpnachersee, geschüttete Flachmoorfläche 2025

Am Westufer des Alpnachersees wurde 2023 das erste Revitalisierungsprojekt nach der Genehmigung der ersten Revitalisierungsplanung umgesetzt. Der Uferweg wurde dabei nach hinten versetzt, die Blocksteine für die Ufersicherung entfernt und das Ufer abgeflacht. In der Wechselwasserzone wurde Schilf gepflanzt, und der landseitige Uferbereich mit standortgerechten Gehölzen bestückt. Für Kleintiere wurden Holz- und Steinstrukturen angelegt.

Lihren vor der Revitalisierung

Die Revitalisierung des Ufers bei Lihren kommt aber nicht nur der Natur zugute – durch die verschiedenen Massnahmen profitieren auch die Menschen davon. Vor der Aufwertung wurde der Fussgängerweg auf diesem Abschnitt bereits bei leicht erhöhten Seeständen überflutet. Während dieser Effekt in der Wechselwasserzone durchaus erwünscht ist, ist dies für Spaziergänger jedoch wenig vorteilhaft. Mit der Erhöhung und Rückversetzung des Weges gelangen diese nun auch bei hohen Wasserständen trockenen Fusses von Alpnachstad bis nach Hergiswil. Zudem wurden die Aufenthaltsstellen am Anfang und am Ende der Revitalisierungsstrecke am See mit neuer Bepflanzung, Einstiegsstelle für Badende und einer kleinen Grillstelle aufgewertet.

Überschwemmter Fussweg

Aufgewertete Aufenthaltsstelle

Erste Untersuchungen zeigen, dass sich die Revitalisierung sehr gut entwickelt. Das Schilf hat sich etabliert, und auch Wasserpflanzen und Muscheln fühlen sich im neuen Lebensraum wohl. In den nächsten Jahren ist daher geplant, auch den direkt nördlich angrenzenden Abschnitt in gleicher Weise aufzuwerten.

Bauarbeiten, Herbst 2023
Frühling 2024
Herbst 2025

Mittlerweile ist bereits die nächste Baustelle angelaufen. Am 15. September markierte der Spatenwurf den Start weiterer Flachwasserschüttungen, dieses Mal in der mittleren Bucht des Städerrieds am Südufer des Alpnachersees (ASA+). Wie schon im ASA werden auch im ASA+ die durch den früheren Kiesabbau entstandenen Löcher im Seegrund wieder aufgefüllt – hauptsächlich mit Material, das bei den Hochwasserschutzarbeiten an der Sarneraa anfällt.

Alle Kantone sind zudem daran, die Revitalisierungsplanung für Fliessgewässer zu überarbeiten. Diese wurde im Jahr 2014 zum ersten Mal erstellt. Nun, nach bald zwölf Jahren, ist es an der Zeit, sie zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Insbesondere sind die nächsten geplanten Revitalisierungsprojekte festzulegen, damit die Schweiz dem Ziel, rund ein Viertel der Gewässer in schlechtem Zustand bis 2090 zu revitalisieren, einen Schritt näherkommt.


Stand der Revitalisierungsplanungen der Kantone

Die ersten Revitalisierungsplanungen für die Seeufer der Schweizer Seen wurden in den Kantonen im Jahr 2022 verabschiedet. Damit sind die Kantone dem im Gewässerschutz festgelegten gesetzlichen Auftrag nachgekommen, die Revitalisierung von Gewässern zu planen und einen ersten Zeitplan dafür festzulegen.

Alle Kantone sind zurzeit zudem daran, die Revitalisierungsplanung für Fliessgewässer zu überarbeiten. Diese wurde im Jahr 2014 zum ersten Mal erstellt. Nun, nach bald zwölf Jahren, ist es an der Zeit, sie zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Insbesondere sind die nächsten geplanten Revitalisierungsprojekte festzulegen, damit die Schweiz dem Ziel, rund ein Viertel der Gewässer in schlechtem Zustand bis 2090 zu revitalisieren, einen Schritt näherkommt.

Standardisierte Befischung des Vierwaldsättersees

Tiere & Pflanzen

22. September 2025

Der Vierwaldstättersee bietet einer Vielzahl von Fischarten einen geeigneten Lebensraum. Um die unter der Wasseroberfläche verborgene Fischgemeinschaft besser zu erfassen, wurde in diesem Jahr die zweite systematische Erhebung des Fischbestands durchgeführt.

Volkszählung der Fische

Seit 2010 werden alle grösseren Seen der Schweiz im Rahmen des Projekts «Projet Lac» untersucht. Dabei kommen Netze mit unterschiedlichen Maschengrössen zum Einsatz, die in verschiedenen Tiefen des Sees ausgelegt werden. So sollen möglichst alle Fischarten erfasst werden, die im See vorkommen.

Im flachen Uferbereich können diese Netze jedoch nicht eingesetzt werden. Dort werden die Fische stattdessen mithilfe der Elektrofischerei gefangen. Alle gefangenen Tiere werden bestimmt, gemessen und gewogen. Ziel des Projekts ist es, ein möglichst vollständiges Bild der Artenvielfalt sowie der Alters- und Grössenstruktur der Fischfauna zu gewinnen.

Neue Untersuchung in allen sieben Becken des Sees

Diesen Herbst wurde der Vierwaldstättersee von Pascal Vonlanthen, Projektleiter der Befischung Vierwaldstättersee und Mitentwickler der «Projet Lac»-Methode, und seinem Team über mehrere Wochen befischt. Dies ist bereits die zweite Erhebung dieser Art im Vierwaldstättersee. Die ersten Untersuchungen wurden 2017 durchgeführt, wobei der Alpnachersee erst zwei Jahre später, 2019, untersucht wurde. In der diesjährigen Untersuchung wurden nun alle sieben Becken des Sees einschliesslich des Alpnachersees zusammen untersucht. Auftraggeberin für die Befischung ist die Fischereikommission Vierwaldstättersee.

Bis die Resultate ausgewertet sind, wird es noch etwas dauern. Der Schlussbericht wird voraussichtlich Mitte 2026 vorliegen. Bis dahin bieten jedoch die bisherigen Untersuchungsberichte bereits einen guten Einblick in das, was sich unter der Wasseroberfläche des Vierwaldstättersees abspielt.

Publikationen zum Projet Lac

Aktueller Medienbericht

Luzerner Zeitung / 30. September 2025: Mit Strom und Netzen: Grosser Fisch-Check im Vierwaldstättersee

Publikationen

Projet Lac. Standardisierte Befischung Alpnachersee

2019

Im Projet Lac werden der Zustand des Fischbestands und der Lebensräume im Alpnachersee erfasst. Die Erhebung liefert wichtige Daten für das langfristige Monitoring der Fischpopulation und für ökologische Verbesserungsmassnahmen.

Projet Lac. Artenvielfalt und Zusammensetzung der Fischgemeinschaft im Vierwaldstättersee

2017

Der Bericht dokumentiert die Artenzusammensetzung im Vierwaldstättersee. Durch standardisierte Befischungen ist sichtbar, dass sich der Fischbestand von den Konsequenzen der Eutrophierung (zu hoher Nährstoffgehalt) noch nicht vollends erholt hat.

Fronalpstock ©MarcRisi

Der neue Leistungsauftrag ist verabschiedet

Allgemein

26. Juni 2025

Am 23. Juni haben die Kommissionsmitglieder der AKV an der jährlichen Sitzung den neuen Leistungsauftrag genehmigt und damit die Weichen der AKV für die Jahre 2026-2029 gestellt.

Der Leistungsauftrag regelt die anstehenden Aufgaben, Zuständigkeiten und Finanzen der AKV. Die Geschäftsstelle erarbeitet gemeinsam mit dem Fachgremium alle vier Jahre einen neuen Auftrag und beantragt Projekte für die nächste Leistungsperiode. Es wird zwischen Fortlaufenden Projekten und Fokusprojekten unterschieden. Auch die Kommunikationsstrategie wurde im Leistungsauftrag gemäss den bereits 2023 beschlossenen Massnahmen angepasst.

Fokusprojekte:

Ökologische Auswirkung/Ausgangslage bei der Füllung von Baggerlöchern im VWS

Das Projekt untersucht Baggerlöcher am Vierwaldstättersee, die von früheren Kiesentnahmen stammen und prüft deren ökologisches Potenzial für eine Revitalisierung. Zunächst soll die Relevanz durch die Anrainerkantone abgeklärt werden. Danach soll eine Entscheidungsgrundlage für mögliche Auffüllungen erstellt werden.

Monitoringkonzept Biologie Vierwaldstättersee

Bis 2027 wird ein Konzept für die regelmässige Untersuchung biologischer Parameter am Vierwaldstättersee erstellt. Dieses soll relevante Parameter, Untersuchungsdesign, Intervalle sowie die Finanzierung definieren.

Monitoring Wasserpflanzen Vierwaldstättersee

Flachwasserzonen im Vierwaldstättersee sind ökologisch wertvoll. Wasserpflanzen wurden in den Jahren 1932, 1982, 1994 und 2007-2011 untersucht. Dieses Fokusprojekt soll den aktuellen Zustand der Wasserpflanzen und allfällige Veränderungen aufgrund der Besiedlung durch die Quaggamuschel erfassen. Die Untersuchung soll im Sommer 2026 erfolgen. Die Ergebnisse werden 2027 erwartet.

Fortlaufende Projekte

Zu den fortlaufenden Projekten zählen die Dauerüberwachung der Fliessgewässer, das Monitoring Vierwaldstättersee und Alpnachersee sowie die jährliche Durchführung der See-Badewasserkontrolle und die Beteilung am Monitoring explosiver Spurenstoffe.

Automatisierte Dauermessstelle

In Zusammenarbeit und Unterstützung des Bundes soll an der heutigen Probenahmestelle «Obermatt» eine kontinuierliche hochaufgelöste Messung verschiedener abiotischer Parameter eingerichtet werden. Dazu soll eine Messboje installiert werden. Damit lassen sich die Verhältnisse im See bezüglich Durchmischung, Schichtungsverhalten usw. sowohl im Jahresverlauf, als auch zwischen den Jahren vergleichen. Auch klimabedingte langfristige Veränderungen können durch diese dauerhaften Messungen besser erfasst werden.

Die Badewasserqualität ist auch 2025 gut

See & Ufer

24. Juni 2025

Dem Badespass in den Zentralschweizer Gewässern steht nichts im Wege. Die Anfang Juni durchgeführten Proben betätigen auch dieses Jahr die ausgezeichnete Wasserqualität.

Bei der Untersuchung der Badewasserqualität werden jährlich 65 Badestellen in den folgenden Seen der Zentralschweiz auf Darmbakterien (Escherichia coli und Enterokokken) geprüft: Zürichsee, Zugersee, Sempachersee, Baldeggersee, Rotsee, Lauerzersee, Sihlsee, Sarnersee, Lungerersee, Hirschlensee, Seelisbergsee und Golzernsee.

Die koordinierten Untersuchungen 2025 der Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz und Uri zeigen: Die Zentralschweizer Seen weisen eine einwandfreie Badewasserqualität auf. Sämtliche beprobten Stellen fallen in die Kategorien «gut» oder «ausgezeichnet». Aufgrund der Ergebnisse besteht weder Handlungsbedarf noch werden Empfehlungen ausgesprochen.

Lesen Sie mehr darüber unter Badewasserkontrolle 2025.