Naturnahe Seeufer mit Flachwasserzonen gehören zu unseren reichhaltigsten Naturlandschaften. Gleichzeitig sind sie empfindliche Ökosysteme, die auf Veränderungen sensibel reagieren. Sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen und dienen auch uns Menschen als Erholungsraum.
Zur Flachwasserzone gehören auch die Wasserpflanzen. Dort wachsen sie oft unscheinbar und bleiben vom Ufer aus weitgehend verborgen. Wasserpflanzen schaffen wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiere: Sie bieten Laichplätze, Verstecke und Nahrungsquellen für Wasserinsekten und Fische und dienen Jungfischen als geschützte Kinderstube.
Auch für das Seeufer selbst erfüllen die Pflanzen eine wichtige Funktion: Mit ihren Wurzeln und Sprossen stabilisieren sie das Sediment und schützen so das Ufer vor Erosion. Wasserpflanzen sind somit nicht nur Teil des Ökosystems – sie helfen auch, dieses langfristig zu erhalten.
Wasserpflanzen als Indikatoren für den Zustand eines Sees
In der Fachsprache werden Wasserpflanzen als Makrophyten bezeichnet. Dazu zählen alle mit blossem Auge erkennbaren Pflanzen, die dauerhaft im Wasser leben: Gefässpflanzen, Moose und makroskopische Algen. Makrophyten reagieren empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums, etwa auf Nährstoffeinträge oder bauliche Eingriffe am Seeufer.
Weil sie standortgebunden sind und meist mehrere Jahre leben, können sie Veränderungen über längere Zeit sichtbar machen. Verändert sich zum Beispiel die Wasserqualität, kann sich das auf ihr Wachstum oder ihre Anzahl auswirken. Deshalb gelten Wasserpflanzen auch als Indikatoren für den Zustand eines Gewässers.

Ein Blick zurück: Wie hat sich der See verändert?
Um diese Veränderungen über Jahrzehnte nachvollziehen zu können, wurden im Vierwaldstättersee bereits mehrfach Untersuchungen durchgeführt – 1933, 1982, 1994 sowie zwischen 2007 und 2011. Dabei wurden Artzusammensetzung, Bewuchsdichten, neue und verschwundene Arten sowie Veränderungen in der Bewuchstiefe untersucht. Bei allen Untersuchungen wurden jeweils dieselben 16 Stationen betaucht. Dadurch lassen sich Veränderungen der Wasserpflanzenbestände über einen Zeitraum von fast hundert Jahren im See aufzeigen.
Heute stehen der Vierwaldstättersee und die Wasserpflanzen vor neuen Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem die Folgen des Klimawandels und die Ausbreitung eingeschleppter Arten. Eine davon ist die Quaggamuschel, die 2024 erstmals im Vierwaldstättersee nachgewiesen wurde. Die invasive Muschel filtriert grosse Mengen Wasser und ernährt sich dabei unter anderem von mikroskopisch kleinen Algen.
Neue Untersuchung liefert Bestandesaufnahme
Welche Auswirkungen ihre Ausbreitung auf unsere wertvollen Wasserpflanzenbestände haben wird, lässt sich derzeit nicht zuverlässig abschätzen. Im Juli 2026 wurde deshalb eine neue Untersuchung durchgeführt. Sie soll eine aktuelle Bestandesaufnahme liefern – und damit eine wichtige Grundlage schaffen, um mögliche Muschel-Effekte in den nächsten Jahren erkennen zu können.

Tauchkartierung: Auf Spurensuche am Seegrund
Für die Untersuchung geht es unter Wasser: Vom Ufer aus tauchen die Fachleute entlang einer festgelegten Untersuchungsstrecke, eines sogenannten Transektes, in die Tiefe. Sie folgen dabei dem Seegrund, bis keine Wasserpflanzen mehr vorkommen. Diese Grenze liegt häufig in einer Tiefe von neun bis zwölf Metern. Während dieses Tauchgangs erfassen die Fachleute die vorkommenden Arten und ihre Bewuchsdichten. Die Daten werden direkt unter Wasser auf wasserfesten Erhebungsblättern notiert. Ein schwimmendes GPS-Gerät ermöglicht es zudem, Flächen mit gleicher Artenzusammensetzung und Dichten zu markieren.
Im Juli wurden rund um den Vierwaldstättersee insgesamt 19 Transekte betaucht. Unter anderem wurden das Reussdelta in Flüelen, die Hopfräben vor Brunnen und die Garnhänki vor Stansstad betaucht. Rund ein Drittel der Transekte liegt im Kanton Luzern – dort finden sich besonders viele Flachwasserzonen, die für Wasserpflanzen geeignete Lebensräume bieten. Denn längst nicht an allen Uferabschnitten können sich Wasserpflanzen gut entwickeln. Viele Ufer im Vierwaldstättersee sind steil und steinig, dort können Wasserpflanzen nur schwer anwachsen.
Detaillierte Ergebnisse sind 2027 zu erwarten
Nach den Tauchgängen werden die erfassten Flächen ausgewertet und mit den erhobenen Informationen zu den Wasserpflanzen ergänzt. So entsteht eine detaillierte Übersicht über die Verbreitung und Zusammensetzung der Wasserpflanzenbestände im Vierwaldstättersee.
Die Resultate werden voraussichtlich 2027 auf der Webseite des Kantons Luzern veröffentlicht – analog zu den bereits bestehenden Resultaten der Untersuchungen von 2010.
In 10 bis 15 Jahren soll die Tauchkartierung wiederholt werden. So entsteht Schritt für Schritt ein detailliertes Bild davon, welche Wasserpflanzen wo im Vierwaldstättersee wachsen – und wie sich ihre Bestände im Laufe der Zeit verändern.


